DFG-Antrag auf Einzelförderung bewilligt
01.10.2026Im Projekt „Mechanismen und klinische Relevanz der Heteroresistenz bei Haemophilus influenzae“ sollen die bislang unzureichend verstandene Heteroresistenz bei Haemophilus influenzae und deren mögliche Bedeutung für Therapieversagen bei invasiven Infektionen mit diesem bisher weniger erforschten Erreger untersucht werden.
Haemophilus influenzae ist ein Bakterium, das den menschlichen Nasen-Rachen-Raum besiedelt und Atemwegs- sowie schwere invasive Erkrankungen auslösen kann. Die in Deutschland gemeldeten Fallzahlen sind zwar sehr niedrig, jedoch wurde in den letzten 10 Jahren eine Zunahme der Zahl an invasiven Infektionen mit H. influenzae beobachtet. Vor allem Infektionen mit resistenten Bakterienstämme können nur eingeschränkt behandelt werden und lebensbedrohliche Komplikationen verursachen.
Erschwerend kommt das Auftreten von heteroresistenten Bakterienpopulationen hinzu. Heteroresistenz bezeichnet ein Phänomen, bei dem eine einzelne, meist Antibiotika-empfindliche Bakterienpopulation eine kleine Subpopulation von Zellen beherbergt, die eine deutlich höhere Antibiotikaresistenz aufweist. Klinisch problematisch ist hier vor allem, dass die Heteroresistenz instabil ist, d.h. die Anzahl der resistenten Zellen schwankt je nach Vorhandensein oder Fehlen des Antibiotikums.
Antragsteller ist PD Dr. med. Thiên-Trí Lâm, Privatdozent am IHM und ärztlicher Leiter des Nationale Referenzzentrum für Meningokokken und Haemophilus influenzae (NRZMHi). Gemeinsam mit Professor Dr. Matthias Merker vom Forschungszentrum Borstel möchte er entschlüsseln, welche Faktoren der Heteroresistenz zugrunde liegen und wie die Heteroresistenz von bakteriellen Isolaten mit den klinischen Verläufen korreliert.
Um die Mechanismen und der klinischen Relevanz von Heteroresistenzen bei H. influenzae aufzuklären, planen die beteiligten Wissenschaftler eine systematische Erfassung heteroresistenter Subpopulationen in invasiven Isolaten vorzunehmen, ihre klinische Relevanz zu analysieren, zugrunde liegende genetische Mechanismen durch Sequenzierung und andere Methoden zu charakterisieren, und Experimente zur Stabilität und Mechanismen der Heteroresistenz unter wirtähnlichen Bedingungen und wechselnder Antibiotikaexposition durchzuführen.
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