piwik-script

Deutsch Intern
    Institut für Hygiene und Mikrobiologie

    Antibiotikaresistenztestungen: EUCAST verändert die Definition von „intermediär“

    05/16/2019

    Zum Jahreswechsel hat das EUCAST die Kategorien S und I zur Bewertung der Ergebnisse von Resistenztestungen neu definiert. Der Hintergrund sowie die Auswirkungen auf mikrobiologische Befundmitteilung und Anwendung in der Klinik sollen im folgendem Schreiben kurz erläutert werden.

    Resistenztestungen von Bakterien werden kategorisch als S für sensibel, I für intermediär und R für resistent herausgegeben. Die normativen Vorgaben werden in Europa vom European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) gemacht.

    Zum Jahreswechsel hat das EUCAST die Kategorien S und I zur Bewertung der Ergebnisse von Resistenztestungen neu definiert. Der Hintergrund sowie die Auswirkungen auf mikrobiologische Befundmitteilung und Anwendung in der Klinik sollen im folgendem Schreiben kurz erläutert werden.

    Hintergrund:

    I wird bisher als intermediär definiert, jedoch in der Praxis für vier verschiedene Bedeutungen verwendet:

    1. I steht für antimikrobielle Aktivität gegenüber einem Mikroorganismus mit unklarem therapeutischen Effekt
    2. I steht für eine „Pufferzone“, die verhindert, dass unkontrollierte technische Abweichungen zu wesentlichen Fehlern der Interpretation führen (very major error/major error).
    3. I steht für antimikrobielle Aktivität gegenüber einem Mikroorganismus bei hoher Dosis/erhöhter Exposition
    4. I steht für antimikrobielle Aktivität gegenüber einem Mikroorganismus bei Anreicherung des Antibiotikums am Infektionsort

    Antibiotika verordnende Ärztinnen und Ärzte konnten bisher nicht wissen, welche der vier Interpretationen bei einem konkreten Antibiogramm zur Anwendung gekommen ist. Dies hat letztendlich dazu geführt, dass Antibiotika, welche als I klassifiziert wurden, praktisch nicht zur Therapie eingesetzt wurden, was zu einer unnötigen Einschränkung des therapeutischen Spektrums und damit auch zum unnötigen Einsatz von Reserveantibiotika führten kann.

    Um eine eindeutige Definition zu erreichen und die Therapiemöglichkeiten zu erweitern, hat das EUCAST die Definitionen für die Bewertungskategorie I klargestellt. I wird künftig nur noch in der Bedeutung „susceptible, increased exposure“ (sensibel bei erhöhter Exposition des Antibiotikums) angewendet. Hiermit wird eine gezieltere Therapiesteuerung möglich, da schon bisher bei bestimmten Erreger-Antibiotika- Kombinationen selbst im Fall von Infektionen durch Wildtyp-Stämme eine erhöhte Antibiotikadosierung erforderlich ist, auf die nun direkt im Antibiogramm mit dem Buchstaben I hingewiesen wird. I ist somit als S mit Dosierungsempfehlung zu verstehen und kann helfen, Unterdosierungen zu vermeiden.

    Die neuen Definitionen von S, I und R gemäß EUCAST 2019 lauten:

    S – Sensibel bei Standardexposition: Ein Mikroorganismus wird als Sensibel bei Standardexposition* eingestuft, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen therapeutischen Erfolg bei Standarddosierung der Substanz besteht.

    I – Sensibel bei erhöhter Exposition: Ein Mikroorganismus wird als Sensibel bei erhöhter Exposition* kategorisiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen therapeutischen Erfolg gegen einen Infektionserreger besteht, sofern dieser einer höheren oder intensiveren Antibiotikaeinwirkung ausgesetzt wird, z.B. durch Erhöhung der Dosierung/geänderte Verabreichungsform oder durch Konzentrierung am Infektionsort.

    R – Resistent: Ein Mikroorganismus wird als Resistent eingestuft, wenn auch bei erhöhter Exposition eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein therapeutisches Versagen besteht.

    *Die Exposition des Infektionserregers gegenüber der antimikrobiellen Substanz am Infektionsort ist abhängig von zahlreichen Faktoren, wie der Verabreichungsform, Dosierung, Dosierungshäufigkeit, Infusionsdauer sowie Verteilung und Ausscheidung des Arzneistoffes.

    Zusammenfassung:

    Sowohl mikrobiologische Labore als auch die Befundempfänger in der Klinik müssen umdenken: I darf keinesfalls mehr wie R, sondern muss wie ein S mit Dosierungsempfehlung verstanden werden.

    Sowohl S als auch I auf einem Befund bedeuten in Zukunft also sensibel, der Unterschied besteht nur in der erforderlichen Exposition am Infektionsort, mit der ein klinischer Erfolg erreicht werden kann.

    Ein mit I gekennzeichnetes Antibiotikum ist bei korrekter Dosierung nicht weniger wirksam als ein mit S gekennzeichnetes. Bitte berücksichtigen Sie dies bei der Auswahl von Antibiotika.

    Weitere Informationen finden Sie auf den Websites des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie (IHM) unter https://www.hygiene.uni-wuerzburg.de, des Nationales Antibiotika-Sensitivitätstest-Komitees (NAK) unter http://www.nak-deutschland.org), sowie
    der EUCAST-Website unter http://www.eucast.org/newsiandr/. Bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich auch telefonisch jederzeit zur Verfügung.

    Back